Rentenversicherungspflicht für Selbständige? Aktuelle Studie bestätigt die Einschätzung des BDS Schleswig-Holstein.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will Selbständige in die Gesetzliche Rentenversicherung zwingen (Handelsblatt, 2017). Ihre Begründung: Insbesondere Soloselbständige haben im Alter ein erhöhtes Armutsrisiko. Ihre Lösung: Die Pflichtversicherung für Selbständige in der Deutschen Rentenversicherung. Eine aktuelle Studie widerspricht der Armutsthese von Selbständigen im Alter. Erste Informationsveranstaltung des BDS zum Thema „Altersvorsorge für Unternehmer“ war ein voller Erfolg.

Seit September 2016 befindet sich die Arbeitsgruppe Altersvorsorge des BDS in Gesprächen mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und weiteren Parteien des Bundestages zur Frage der Pflichtversicherung von Selbständigen.

„Die Grundannahmen des BMAS sind falsch“, stellt Lothar Koch vom BDS Schleswig-Holstein und Mitglied der Arbeitsgruppe Altersvorsorge fest. „Weder erfasst das Statistische Bundesamt im Mikrozensus alle Formen der Altersvorsorge, noch lässt sich ein erhöhtes Armutsrisiko bei Soloselbständigen und Kleinunternehmern statistisch belegen. Unter dem Stichwort Schutzbedürfnis wird eher auf den temporären Beitragseffekt von gutverdienenden Selbständigen in der Rentenversicherung abgezielt. Die Forderungen des BMAS sind ausschließlich politisch motiviert.“, so Lothar Koch weiter.

Zwar haben Selbständige im Vergleich zu Angestellten und Beamten im Ruhestand geringere monatliche Nettozuflüsse. Dennoch sind nur 12,8% der ehemaligen Soloselbständigen im Alter vermögenslos. Bei den gesetzlich abhängig Beschäftigten beträgt der Anteil 58%, wie das Institut der deutschen Wirtschafft (IW) 2012 feststellte. Das Max-Planck-Institut (MPI) prognostizierte 2013 bei einer Zwangsverpflichtung von Selbständigen in die Gesetzliche Rentenversicherung sogar ein Unternehmenssterben. Fazit: Die gesetzliche Pflichtversicherung verhindert keine Altersarmut.

Link zur Studie des IW

https://www.iwkoeln.de/_storage/asset/91225/storage/master/file/7080252/download/TR-32012-Niehues-Pimpertz.pdf

Link zur Studie des MPI

https://www.destatis.de/DE/Methoden/Kolloquien/2013/Boersch_Supan.pdf?__blob=publicationFile

Insgesamt verfügen Selbständige im Alter durch andere Formen der Altersvorsorge über Immobilien, Wertpapierdepots oder Versicherungen über ein erheblich höheres Vermögen als abhängig Beschäftigte. Das belegt unbestreitbar eine aktuelle Studie des IW. Der Mittelwert des Nettovermögens liegt bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei 63.445 €. Zum Vergleich Selbständige verfügen über durchschnittlich 286.630 €. Der Anteil der Vermögenslosen ist bei den abhängig Beschäftigten fast doppelt so groß.

 

Link zur aktuellen Studie des IW

https://www.iwkoeln.de/studien/iw-reports/beitrag/martin-beznoska-vermoegen-der-selbststaendigen-348092

Der BDS schlägt ein Wahlrecht der Selbständigen auf freiwillige Einzahlung in die RV zur Schaffung einer Grundversorgung im Alter vor. Im Gegensatz zur heutigen gesetzlichen Lage, ist es sinnvoll generell insolvenzsichere Schonbeträge für Selbständige zu schaffen. Dieser Insolvenzschutz muss einerseits für alle Formen von Vermögen für die Altersruhe in der Ansparphase gelten und andererseits auch in der Rentenphase des Selbständigen erhalten bleiben. Generell empfehlen wir die Schaffung von steuerbefreiten Altersvorsorgedepots. Diese sollten sowohl Selbständigen, als auch abhängig Beschäftigten die Möglichkeit einräumen, im Rahmen der dritten privaten Säule der Altersvorsorge für das Alter vorzusorgen.

„Eigenverantwortliche Altersvorsorge reduziert das Armutsrisiko im Alter. Das gilt für Selbständige genauso wir für abhängig Beschäftigte.“ fasst Lothar Koch zusammen. „Wichtig ist, dass wir als Verband für Selbständigen, Gewerbetreibende und Freiberufler Zugang zu den Entscheidern bei diesen Fragen haben. Die erste Informationsveranstaltung zu diesem Thema war mit 25 Personen schnell ausgebucht. Weitere sind in Planung.“

Bei Interesse zur nächsten Veranstaltung im Herbst nehmen Sie bitte Kontakt mit unserer Geschäftsstelle Tel. 0461 70717918 oder per E-Mail unter info@bds-sh.de auf.