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Studie: Pflicht zur Rentenversicherung für Selbstständige

Bild Justitia vor Bücherregal mit Gesetzbüchern

Studie bestätigt die Einschätzung des BDS Schleswig-Holstein

Berlin, August 2017: Die damalige Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will Selbstständige in die Gesetzliche Rentenversicherung zwingen (Handelsblatt, 2017). Ihre Begründung: Insbesondere Soloselbstständige haben im Alter ein erhöhtes Armutsrisiko. Ihre Lösung: Die Pflichtversicherung für Selbstständige in der Deutschen Rentenversicherung. Eine aktuelle Studie widerspricht der Armutsthese von Selbstständigen im Alter. Die erste Informationsveranstaltung des BDS zum Thema „Altersvorsorge für Unternehmer“ war ein voller Erfolg.

Seit September 2016 befindet sich die Arbeitsgruppe Altersvorsorge des BDS in Gesprächen mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie mit Bundestags-Parteien zur Frage der Pflichtversicherung von Selbstständigen.

„Die Grundannahmen des BMAS sind falsch“, stellt Lothar Koch vom BDS Schleswig-Holstein und Mitglied der Arbeitsgruppe Altersvorsorge fest. „Weder erfasst das Statistische Bundesamt im Mikrozensus alle Formen der Altersvorsorge, noch lässt sich ein erhöhtes Armutsrisiko bei Soloselbstständigen und Kleinunternehmern statistisch belegen. Unter dem Stichwort Schutzbedürfnis wird eher auf den temporären Beitragseffekt von gutverdienenden Selbstständigen in der Rentenversicherung abgezielt. Die Forderungen des BMAS sind ausschließlich politisch motiviert.“, so Lothar Koch weiter.

Zwar haben Selbstständige im Vergleich zu Angestellten und Beamten im Ruhestand geringere monatliche Nettozuflüsse. Dennoch sind nur 12,8% der ehemaligen Soloselbstständigen im Alter vermögenslos. Bei den gesetzlich abhängig Beschäftigten beträgt der Anteil 58%, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) 2012 feststellte. Das Max-Planck-Institut (MPI) prognostizierte 2013 bei einer Zwangsverpflichtung von Selbstständigen in die Gesetzliche Rentenversicherung sogar ein Unternehmenssterben. Fazit: Die gesetzliche Pflichtversicherung verhindert keine Altersarmut.

Link zur Studie des IW

https://www.iwkoeln.de/_storage/asset/91225/storage/master/file/7080252/download/TR-32012-Niehues-Pimpertz.pdf

Link zur Studie des MPI

https://www.destatis.de/DE/Methoden/Kolloquien/2013/Boersch_Supan.pdf?__blob=publicationFile

Insgesamt verfügen Selbstständige im Alter durch andere Formen der Altersvorsorge, wie zum Beispiel Immobilien, Wertpapierdepots oder Versicherungen, über ein erheblich höheres Vermögen als abhängig Beschäftigte. Das belegt unbestreitbar eine aktuelle Studie des IW. Der Mittelwert des Nettovermögens liegt bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei 63.445 €. Zum Vergleich: Selbstständige verfügen über durchschnittlich 286.630 €. Der Anteil der Vermögenslosen ist bei den abhängig Beschäftigten fast doppelt so groß.

Link zur aktuellen Studie des IW

https://www.iwkoeln.de/studien/iw-reports/beitrag/martin-beznoska-vermoegen-der-selbststaendigen-348092

Der BDS schlägt ein Wahlrecht der Selbstständigen auf freiwillige Einzahlung in die RV zur Schaffung einer Grundversorgung im Alter vor. Im Gegensatz zur heutigen gesetzlichen Lage, ist es sinnvoll generell insolvenzsichere Schonbeträge für Selbstständige zu schaffen. Dieser Insolvenzschutz muss einerseits für alle Formen von Vermögen für die Altersruhe in der Ansparphase gelten und andererseits auch in der Rentenphase des Selbstständigen erhalten bleiben. Generell empfehlen wir die Schaffung von steuerbefreiten Altersvorsorgedepots. Diese sollten sowohl Selbstständigen, als auch abhängig Beschäftigten die Möglichkeit einräumen, im Rahmen der dritten privaten Säule der Altersvorsorge für das Alter vorzusorgen.

Weitere Informationen (PDF)


Unser Experte

„Eigenverantwortliche Altersvorsorge reduziert das Armutsrisiko im Alter. Das gilt für Selbstständige genauso wie für abhängig Beschäftigte.“, fasst Lothar Koch zusammen. „Wichtig ist, dass wir als Verband für Selbstständige, Gewerbetreibende und Freiberufler Zugang zu den Entscheidern bei diesen Fragen haben.“

Bild Lothar KochLothar Koch (Spektrum Finanzberatung KG, Langballig) ist Vorstandsmitglied im BDS Schleswig-Holstein und gehört der Arbeitsgruppe Altersvorsorge des BDS Deutschland an. Herr Koch ist Diplom-Betriebswirt und war langjähriger Wertpapierspezialist bei einer deutschen Großbank. Heute leitet er bei einem privat geführten Vermögensverwalter das Portfolio-Management.

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