Die ersten sechs Stunden entscheiden, und zwar nicht über den Strom
AKTE 02
Akte 02: Wenn Strom, Netz oder Telefon ausfallen, zeigt sich, wie belastbar Kommunikation wirklich ist. Dieses Beweisstück untersucht, warum Erreichbarkeit kein Selbstläufer ist – und welche Anpassungen einen Betrieb handlungsfähig halten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bei einem großflächigen Stromausfall ist die Technik selten das erste Problem. Das erste Problem ist, dass niemand mehr weiß, was gilt.
- Die ABIS GmbH aus Enge-Sande beschreibt dafür einen Kipppunkt nach etwa sechs Stunden, den Moment, in dem Mobilfunk und Router ausfallen und Information zur knappsten Ressource wird. (Angaben des Anbieters.)
- Dein Betrieb braucht dafür keine Anlage, sondern eine Verabredung: wer sich wo trifft, wer entscheiden darf und wo steht, was gilt.
- Dieser Plan passt auf eine Seite Papier und ist an einem Nachmittag geschrieben.

Die meisten Notfallpläne beginnen bei der Energie. Aggregat, Kraftstoff, Anlaufzeit. Das ist naheliegend und greift trotzdem zu kurz, weil es die falsche Frage beantwortet.
Ein Unternehmen, das im Sommer 2026 in unserem MeetingPoint zu Gast war, hat diesen Punkt sehr deutlich gemacht. Andreas Jablonski, der das ABIS-System vorstellte, brachte es auf einen Satz:
„Die psychologische Katastrophe entsteht, wenn die Information fehlt.“
Die ABIS GmbH sitzt in Enge-Sande, auf demselben Gelände, auf dem in diesem Jahr der Landesverbandstag stattfindet. Was das Unternehmen für Kommunen und Städte baut, lässt sich im Kleinen auf jeden Betrieb übertragen. Dieser Beitrag zeigt, wie.
Wenn du zuerst wissen möchtest, was ABIS technisch macht, findest du das in unserem früheren Beitrag zum System. Hier geht es um den Teil, den du selbst erledigen kannst.
Warum kippt eine Lage nach etwa sechs Stunden?
Weil in diesem Zeitraum die letzten Reserven der Kommunikationsinfrastruktur aufgebraucht sind. Mobilfunkmasten und Router haben eigene Puffer, aber begrenzte. Fallen sie aus, endet nicht nur die Erreichbarkeit, sondern auch die gemeinsame Lagebeurteilung. Ab dann handelt jeder nach eigener Vermutung.
Die ABIS GmbH beschreibt den Verlauf in vier Phasen. In den ersten beiden Stunden herrscht Irritation, man wartet ab. Zwischen der zweiten und vierten Stunde entstehen Anspannung, erste Vorratskäufe und Gerüchte. Zwischen der sechsten und zwölften Stunde liegt der Kipppunkt: Die Netze schweigen, und wer eigentlich führen müsste, ist nicht mehr sichtbar. Nach etwa 24 Stunden folgt die soziale Eskalation. (Angaben des Anbieters.)
Für einen Betrieb heißt das etwas sehr Konkretes: Deine Beschäftigten treffen in Stunde sieben Entscheidungen, ohne dich fragen zu können. Ob diese Entscheidungen zusammenpassen, entscheidet sich nicht in Stunde sieben, sondern jetzt.
Das ist übrigens der Grund, warum ABIS sein Wirkprinzip als Zusammenspiel von Mensch, Information und Technik beschreibt und nicht als Energieprodukt. Technik allein löst das Problem nicht, sie verlängert nur die Zeit, in der man es lösen kann.
Was braucht ein Betrieb, damit er in diesen sechs Stunden handlungsfähig bleibt?
Drei Dinge, in dieser Reihenfolge: Menschen, die sich auch ohne Netz finden. Eine Regel, wer ohne Rückfrage entscheiden darf. Und einen Ort, an dem steht, was gerade gilt. Technik kommt danach und verlängert nur, was vorher geregelt wurde.
Menschen: Treffpunkt und Uhrzeit statt Telefonkette. Eine Telefonkette funktioniert genau so lange wie das Telefonnetz. Robuster ist eine feste Verabredung: Bei einem flächigen Ausfall über zwei Stunden treffen sich alle, die können, um 9 Uhr und um 16 Uhr an einem festgelegten Ort. Kein Anruf nötig, keine Bestätigung. Wer nicht kommt, gilt als zu Hause und in Sicherheit. Dazu gehört eine ausgedruckte Kontaktliste, die im Betrieb hängt und nicht nur im Telefon liegt.
Entscheidungen: drei Fragen vorab klären. Wer darf den Betrieb schließen? Wer darf Beschäftigte nach Hause schicken? Wer darf Ware oder Material aufgeben, wenn Kühlung oder Prozesse ausfallen? Wenn diese drei Fragen vorher beantwortet sind, entsteht in Stunde sieben kein Vakuum. Das ist der betriebliche Kern dessen, was ABIS im öffentlichen Raum „sichtbare Führung“ nennt.
Information: ein Ort, eine Botschaft. Lege fest, wo im Ausfall steht, was gilt. Ein wetterfestes Schild an der Eingangstür reicht völlig, wenn alle wissen, dass es dort steht. Wichtig ist nicht der Kanal, sondern die Verlässlichkeit: derselbe Ort, jedes Mal. Kundinnen und Kunden, Lieferanten und Beschäftigte hören dann auf zu raten.
Technik: das, was Zeit kauft. Eine Powerbank für die Diensthandys, ein geladenes Fahrzeug, etwas Bargeld in der Kasse, weil Kartenzahlung ausfällt. Das ist kein Krisenvorsorge-Programm, sondern eine Schublade.
Wie schreibt man diesen Plan an einem Nachmittag?
In vier Blöcken zu je etwa dreißig Minuten, gemeinsam mit den Menschen, die im Ernstfall vor Ort sind. Das Ergebnis ist eine Seite Papier, die ausgedruckt im Betrieb hängt. Alles, was länger ist als eine Seite, wird im Ernstfall nicht gelesen.
- Bestandsaufnahme, 30 Minuten. Was fällt bei uns zuerst aus, und was kostet das je Stunde? Nüchtern schätzen genügt, es geht um die Reihenfolge, nicht um die Nachkommastelle.
- Menschen, 30 Minuten. Treffpunkt, zwei feste Uhrzeiten, ausgedruckte Kontaktliste, eine benannte Vertretung für den Fall, dass die Geschäftsführung nicht da ist.
- Entscheidungen, 30 Minuten. Die drei Fragen von oben beantworten und aufschreiben. Wer nicht im Raum ist, bekommt die Antwort trotzdem.
- Aushang, 30 Minuten. Eine Seite, große Schrift, laminiert, an zwei Orten. Fertig.
Einen guten Einstieg in die Bestandsaufnahme bietet der kostenfreie Blackout-Check der ABIS GmbH. Er dauert wenige Minuten und macht sichtbar, wo die eigenen Lücken sitzen.

Häufige Fragen zur Krisenkommunikation im Betrieb
Ist das nicht übertrieben für einen kleinen Betrieb?
Der Aufwand beträgt einen Nachmittag und einen laminierten Ausdruck. Der gleiche Plan hilft auch bei Ereignissen, die viel häufiger sind als ein flächiger Blackout, etwa einem Ausfall der Internetanbindung, einem Wasserschaden oder einer gesperrten Zufahrt.
Wie oft sollte man das aktualisieren?
Einmal im Jahr, am besten zusammen mit dem Abschalt-Test aus unserem Beitrag zum Inselnetz. Und immer dann, wenn jemand aus dem Team geht, der auf der Liste steht.
Was macht ABIS, das ein eigener Plan nicht leisten kann?
ABIS setzt im öffentlichen Raum an, mit autarker Energie und mobilen Informationsflächen, damit Orientierung auch dort entsteht, wo Menschen zusammenkommen. Dein eigener Plan regelt deinen Betrieb. Beides ergänzt sich, keines ersetzt das andere.
Fazit und nächster Schritt
Das Beeindruckende an ABIS ist nicht die Technik, sondern die Diagnose: Nicht die Energie ist zuerst knapp, sondern die Orientierung. Diese Einsicht kostet dich nichts und verändert die Reihenfolge deiner Vorbereitung.
Mache den kostenfreien Blackout-Check, und nehme das Ergebnis mit in die BDS SH Community. Dort steht dir eine kostenfreie Erstberatung von bis zu zwei Stunden zur Verfügung, um die erkannten Lücken zu sortieren.



