Wie wir unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern, indem wir die Energiewende als das begreifen, was sie ist: Die größte wirtschaftliche Chance unserer Zeit.

Desinformationskampagnen von interessierten Kreisen – von der fossilen Lobby bis hin zu populistischen Akteuren wie Donald Trump vergiften die öffentliche Debatte. Jetzt ist Klarheit die wichtigste Währung für Unternehmer.
Der Bund der Selbständigen Schleswig-Holstein (BDS SH) steht für faktenbasiertes Wissen und unternehmerischen Weitblick. Die Analyse der aktuellen Vorträge und Daten von Experten wie Prof. Dr. Christian Stöcker (Spiegel-Kolumnist & Kognitionspsychologe) und Prof. Dr. Volker Quaschning (HTW Berlin, Energieexperte) zeigt unmissverständlich:
Wer jetzt noch auf fossile Geschäftsmodelle setzt oder auf „Technologieoffenheit“ bei längst entschiedenen technologischen Rennen wartet, riskiert nicht nur das Klima, sondern die eigene wirtschaftliche Existenz.
Lange wurde Klimaschutz als teurer Verzicht gerahmt
„Prof. Dr. Christian Stöcker dreht dieses Narrativ um: Die Transformation ist eine Gewinnstrategie. Fossile Energieträger sind nicht nur ökologisch destruktiv, sondern technologisch rückständig und ökonomisch hochriskant. Wer heute noch in Öl- und Gasheizungen oder Verbrennerflotten investiert, schafft sich „Stranded Assets“ – Investitionen, die bald wertlos sein werden.“
Die Weltwirtschaft hat längst entschieden: 2024 waren über 92 % der weltweit neu installierten Kraftwerksleistung erneuerbar.
Der „Markt“ will die Erneuerbaren, weil sie schlichtweg billiger und effizienter sind. Sich gegen diesen Trend zu stellen, bedeutet, den Anschluss an die Zukunft zu verlieren.
Fakten-Check: Fake-Parolen vs. Realität
Wir werden systematisch verunsichert. Begriffe wie „Heizungshammer“ oder das Rufen nach „Technologieoffenheit“ bei Gasheizungen dienen oft nur dazu, alte Geschäftsmodelle künstlich am Leben zu erhalten. Hier setzen wir Fakten dagegen.
Fake Parole 1: „Deutschland geht einen gefährlichen Alleingang.“
Fakt: Das Gegenteil ist der Fall. Die Energiewende ist ein globales Phänomen, bei dem Deutschland Gefahr läuft, überholt zu werden.
- Realität: China hat allein im ersten Halbjahr 2024 fast doppelt so viel Photovoltaik zugebaut, wie Deutschland in den letzten 25 Jahren insgesamt installiert hat.
- Daten: Global dominiert der Zubau von Solar und Wind. In Texas, dem Zentrum der US-Ölindustrie, übertraf Solarenergie 22 Monate in Folge alle anderen Energiequellen beim Zubau.
Deutschland folgt lediglich einem globalen Megatrend.
Fake Parole 2: „Die Wärmepumpe funktioniert im Altbau nicht und ist zu teuer.“
Fakt: Die Wärmepumpe ist die effizienteste Heizungstechnologie und funktioniert auch im Bestand.
- Realität: In Skandinavien, wo es deutlich kälter ist, sind Wärmepumpen Standard (z. B. 60 % der Gebäude in Norwegen).
- Technik: Eine Wärmepumpe macht aus 1 Teil Strom ca. 3 bis 4 Teile Wärme.
Eine Gasheizung holt aus 1 Teil Gas maximal 0,9 Teile Wärme.
Wer auf Wasserstoff hofft, braucht für die gleiche Wärme 5-mal so viel Energie.
- Kosten: Gas wird durch CO2-Bepreisung und geopolitische Risiken (Abhängigkeit von Importen) zur Kostenfalle. Wärmepumpen nutzen lokalen Strom und machen unabhängig.
Fake Parole 3: „E-Fuels und Wasserstoff retten den Verbrenner.“
Fakt: Wasserstoff und E-Fuels sind der „Champagner der Energiewende“ – kostbar und knapp. Sie gehören in die Industrie, nicht in den PKW oder den Heizungskeller.
- Realität: Ein E-Auto wandelt ca. 70-80 % der Energie in Bewegung um. Ein Verbrenner mit E-Fuels nutzt nur ca. 10-15 % der ursprünglichen Energie.
- Wirtschaftlichkeit: E-Fuels zu tanken würde bedeuten, ein Vielfaches an Strom zu verschwenden. Das ist physikalischer und ökonomischer Unsinn für den Massenmarkt. China setzt bei Bussen und PKW längst massiv auf Elektro.
Fake Parole 4: „Erneuerbare Energien sind Preistreiber und subventioniert.“
Fakt: Fossile Energien sind die wahren Subventionsempfänger.
- Realität: Während die Erneuerbaren immer günstiger werden (Solarstrom ist die billigste Stromquelle der Geschichte), erhalten fossile Brennstoffe weltweit Billionen an direkten und indirekten Subventionen (u.a. durch nicht eingepreiste Umweltschäden).
- Preise: Ohne den dämpfenden Effekt von Wind- und Solarstrom wären die Strompreise an der Börse in den letzten Jahren deutlich höher gewesen.
Faktencheck zu weiteren Behauptungen und Mythen
| Behauptung / Mythos | Faktencheck & Datenbasis | Bewertung |
| „Fossile sind billig.“ | Der IWF (Internationaler Währungsfonds) beziffert die weltweiten Subventionen für fossile Brennstoffe (inkl. Umweltschäden) auf 5,7 bis 7 Billionen US-Dollar pro Jahr. Dem stehen Gewinne der Öl-/Gasindustrie von „nur“ ca. 1-4 Billionen gegenüber. | Falsch. Fossile Energie ist ein gigantisches Verlustgeschäft für die Volkswirtschaft. |
| „Der Markt ist unentschlossen.“ | 92,5 % des globalen Netto-Zubaus an Kraftwerkskapazität im Jahr 2024 entfielen auf Erneuerbare Energien (Solar, Wind, Hydro). | Eindeutig. Der Kapitalmarkt hat längst entschieden. Fossile sind ein Auslaufmodell. |
| „Solar wächst linear.“ | Die Installation von Solarenergie wächst exponentiell. Prognosen der IEA (Internationale Energieagentur) wurden seit 2010 jedes Jahr massiv übertroffen. Die Kosten für Solarmodule sind seit 1980 um 99,6 % gesunken. | Unterschätzt. Wir befinden uns mitten in einer disruptiven Energierevolution. |
| „Deutschland ist allein.“ | Länder wie China treiben den Ausbau massiv voran. China allein installiert mehr Erneuerbare als der Rest der Welt zusammen. Auch in den USA (Texas) boomt Solar und Speicher. | Falsch. Wir drohen eher, technologisch abgehängt zu werden (z.B. bei Batterien/E-Autos). |
Für Unternehmer ergeben sich aus diesen Erkenntnissen klare Handlungsanweisungen.
Ignoriere das „Rauschen“ der Lobbyisten und plane auf Basis physikalischer und ökonomischer Realitäten.
- Elektrifizierung ist der Königsweg: Setze in Fuhrpark und Gebäude auf Strom. Das „All Electric Society“-Szenario ist aufgrund der Effizienz alternativlos.
- Finger weg von Wasserstoff im Kleinverbrauch: Plane keine Heizungen oder PKW auf Wasserstoffbasis. Wasserstoff wird für die Stahlindustrie, Chemie und Flugverkehr gebraucht und wird teuer bleiben.
- Investiere in Unabhängigkeit: Eine eigene PV-Anlage auf dem Firmendach sichert Sie gegen Preisschwankungen ab. Die Gestehungskosten liegen oft weit unter den Netzbezugskosten. Zudem kann dann das E-Auto als Notstrom-System genutzt werden (bidirektionales Laden).
- Prüfe dein Lieferketten: CO2-Preise werden steigen. Zulieferer oder Prozesse, die auf fossilen Energien basieren, werden teurer. Dekarbonisierung ist Risikomanagement.
- Ignoriere „German Angst“: Lass dich nicht von der schlechten Stimmung anstecken. Die Lösungen sind da (Speicher, E-Mobilität, Wärmepumpen). Unternehmen, die jetzt handeln, sichern sich Wettbewerbsvorteile, während andere noch jammern.
Fazit: Was wir lernen können
Die Zeit der fossilen Verbrennung geht unwiderruflich zu Ende – nicht aus Ideologie, sondern aus ökonomischer und physikalischer Vernunft.
Das können wir lernen:
- Wissen ist Macht: Wer die physikalischen Zusammenhänge (Wirkungsgrade!) kennt, fällt nicht auf Kampagnen herein, die E-Fuels für PKWs oder Wasserstoffheizungen versprechen.
- Mut zahlt sich aus: Die Unternehmen, die frühzeitig auf Effizienz und Erneuerbare gesetzt haben, kommen besser durch Krisen.
- Wir haben die Mittel: Die Technologie ist vorhanden und bezahlbar. Speicher werden billiger, PV ist spottbillig. Es fehlt oft nur am Umsetzungswillen, nicht an der Machbarkeit.
Der Appell des BDS SH: Lass uns als Unternehmer nicht Teil des Problems der Verzögerung sein, sondern Treiber der Lösung. Wir müssen uns über die systematischen Desinformationskampagnen hinwegsetzen.
Die Zukunft gehört denen, die rechnen können und mutig handeln. Nutzen wir die Energiewende als das, was sie ist:
Ein Konjunkturprogramm für den Mittelstand und eine Versicherung für unsere Freiheit und unseren Wohlstand.
Jetzt strategisch handeln – nicht nur diskutieren
Die Energiewende ist kein abstraktes Politikthema, sondern eine unternehmerische Weichenstellung. Fragen nach Elektrifizierung, Eigenstromerzeugung, Investitionsplanung, Lieferkettenrisiken oder Fuhrparkumstellung sind konkrete Managemententscheidungen – mit langfristigen Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit und Kostenstruktur.
Wenn auch Sie prüfen, wie Ihr Unternehmen die Transformation wirtschaftlich sinnvoll gestalten kann, lohnt sich der Austausch mit erfahrenen Praktikern.
In der BDS SH Community finden Sie Professionals aus den Bereichen:
- Energie- und Nachhaltigkeitsstrategie
- Unternehmensberatung & Investitionsplanung
- Finanzierung & Fördermittel
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Sie unterstützen dabei, Investitionen nüchtern zu bewerten, Risiken realistisch einzuschätzen und Transformationsschritte wirtschaftlich tragfähig zu planen.
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Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob die Transformation kommt –
sondern wie klug wir sie für unsere Unternehmen nutzen.



