
Das Wichtigste auf einen Blick
- In Schleswig-Holstein hat die IB.SH rund 360 Millionen Euro Corona-Soforthilfe zurückgefordert. Etwa 200 Millionen sind zurückgezahlt.
- Die Gerichte entscheiden unterschiedlich. In Schleswig-Holstein war bis Juni 2026 keine abgeschlossene Klage gegen eine Rückforderung erfolgreich.
- Wenn du einen Bescheid bekommst: Frist notieren, Bescheid fachkundig prüfen lassen, Liquidität planen.
- Kannst du nicht sofort zahlen, kannst du bei der IB.SH eine Stundung bis zu 36 Monate beantragen.
2020 kam die Soforthilfe schnell und unbürokratisch. Jahre später liegt bei vielen kleinen Betrieben und Soloselbstständigen ein Rückforderungsbescheid im Briefkasten. Hier liest du, wie die Lage in Schleswig-Holstein 2026 aussieht, was die Gerichte sagen und was du jetzt tun kannst.
Wichtig: Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Jeder Bescheid ist anders. Lass deinen Fall von einer Anwältin, einem Anwalt oder deiner Steuerberatung prüfen.
Warum fordert die IB.SH Soforthilfe zurück?
Die Soforthilfe sollte einen Liquiditätsengpass für drei Monate überbrücken. Wer weniger Engpass hatte als beim Antrag geschätzt, war „überkompensiert“ und muss den Rest zurückzahlen. Die IB.SH fragt das in Rückmeldeverfahren ab, das zweite läuft seit Mai 2024. Eine Rückmeldung ist dabei Pflicht, auch wenn du nichts zurückzahlen musst.
Laut IB.SH wurden in Schleswig-Holstein rund 468 Millionen Euro Soforthilfe ausgezahlt. Rund 360 Millionen Euro hat die Förderbank von etwa 46.000 Empfängerinnen und Empfängern zurückgefordert, rund 200 Millionen sind wieder eingegangen. Rechnet man Neustarthilfe und Überbrückungshilfen dazu, waren im Juni 2026 noch rund 293 Millionen Euro offen.

Was sagen die Gerichte?
Das Bild ist gemischt, und es hängt stark vom Bundesland und vom Wortlaut des Bescheids ab:
- Nordrhein-Westfalen: Das Oberverwaltungsgericht Münster hat im März 2023 Schlussbescheide für rechtswidrig erklärt, weil die Bewilligung anders formuliert war als die spätere Abrechnung. Das Land durfte nicht benötigte Hilfe aber mit neuen Bescheiden trotzdem zurückfordern.
- Brandenburg: Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat am 3. Juni 2026 Rückforderungen für rechtmäßig erklärt. Der Zweck der Hilfe und die Möglichkeit des Widerrufs standen klar genug im Bescheid. Aussagen von Politikerinnen und Politikern, man müsse nichts zurückzahlen, ändern daran nichts.
- Schleswig-Holstein: Hier laufen nach Angaben der IB.SH rund 3.600 Widerspruchsverfahren. Von 72 Klagen waren im Juni 2026 45 abgeschlossen, keine davon war erfolgreich.
Wichtig für die Frage, wie lange Rückforderungen möglich sind: Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat im Februar 2026 entschieden, dass die Frist erst mit dem Schlussbescheid beginnt und nicht mit der Auszahlung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Darauf, dass ein alter Anspruch „verjährt“ ist, solltest du dich also nicht verlassen.
Was tust du, wenn ein Bescheid kommt?

- Frist notieren. In der Rechtsbehelfsbelehrung steht, bis wann du widersprechen oder klagen kannst. Meist ist es ein Monat ab Zugang.
- Bescheid prüfen lassen. Ob sich ein Widerspruch lohnt, hängt von deinen Zahlen aus 2020 und vom genauen Wortlaut deiner Bescheide ab. Musterbriefe helfen dabei wenig.
- Liquidität planen. Rechne durch, was die Rückzahlung für deine nächsten Monate bedeutet, und sprich früh mit Bank und Steuerberatung.
- Stundung beantragen, wenn es eng wird. Die IB.SH kann die Rückforderung bis zu 36 Monate stunden, wenn du gerade nicht zahlen kannst und dich das sonst in ernsthafte Schwierigkeiten bringt. Bei Beträgen unter 100.000 Euro zahlst du dann am Ende in einer Summe, mit Zinsen von zwei Prozentpunkten über dem Basiszins. Freiwillige Teilzahlungen sind möglich.
Den Stundungsantrag und Infos zum Verfahren findest du auf der Seite der IB.SH zu den Corona-Soforthilfeprogrammen. Fragen kannst du per E-Mail an soforthilfe-aenderungsantrag@ib-sh.de schicken.
Fazit
Ein Widerspruch ist kein Selbstläufer, vor allem nicht in Schleswig-Holstein. Er kann sich trotzdem lohnen, wenn dein Bescheid Fehler hat. Lass ihn prüfen, halte die Frist ein und plane die Rückzahlung so, dass dein Betrieb liquide bleibt.
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Dieser Beitrag erschien zuerst im Februar 2026. Im Oktober 2026 hat der BDS SH ihn mit aktuellen Zahlen und Urteilen überarbeitet.
Aktualität geprüft am 18.10.2026. Quellen: HOGAPAGE nach Angaben der IB.SH, 08.06.2026, OVG Berlin-Brandenburg, Pressemitteilung 21/26, Otto Schmidt zum OVG NRW, 21.03.2023, bpp zum VG Düsseldorf, 16.03.2026, IB.SH, Corona-Soforthilfeprogramme, IB.SH, Stundungsantrag (Stand 20.06.2024).



