
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Agentur für Arbeit bezuschusst Weiterbildungen deiner Beschäftigten, wenn sie mehr als 120 Stunden dauern und bei einem zugelassenen Träger stattfinden.
- In Betrieben mit weniger als 50 Beschäftigten können bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten und bis zu 75 Prozent des Arbeitsentgelts übernommen werden.
- Steht dein Betrieb vor einem größeren Umbruch, kommt zusätzlich das Qualifizierungsgeld in Frage.
- Ein Anspruch besteht nicht. Sprich vor der Anmeldung mit dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit.
Fachkräfte zu finden ist schwer. Die eigenen Leute weiterzubilden ist oft der schnellere Weg, und die Agentur für Arbeit beteiligt sich daran. Die Regeln dazu stehen in § 82 SGB III. Bekannt geworden sind sie als Qualifizierungschancengesetz, seit April 2024 gelten vereinfachte Fördersätze.
Welche Weiterbildung wird gefördert?
Eine Weiterbildung, die mehr als 120 Stunden dauert, bei einem zugelassenen Träger stattfindet und mehr vermittelt als eine kurze Einarbeitung am eigenen Arbeitsplatz. Sie läuft im bestehenden Arbeitsverhältnis, die Person bleibt also bei dir angestellt.
Dazu kommen zwei Fristen: Der Berufsabschluss liegt in der Regel mindestens zwei Jahre zurück, und die Person hat in den letzten zwei Jahren keine nach § 82 geförderte Weiterbildung besucht. Nicht gefördert werden Schulungen, die du ohnehin gesetzlich durchführen musst.
Typische Beispiele sind Lehrgänge zu Digitalisierung, KI-Anwendungen, neuen Fertigungsverfahren oder ein anerkannter Abschluss für Beschäftigte, die bisher ohne Berufsabschluss arbeiten. Ob ein Kurs zugelassen ist, erkennst du an der Zertifizierung nach AZAV, die der Bildungsträger nachweisen kann.
Wie viel zahlt die Agentur für Arbeit?
Das hängt von der Größe deines Unternehmens ab. Je kleiner der Betrieb, desto höher der Zuschuss. Gezahlt wird ein Anteil an den Lehrgangskosten und ein Zuschuss zum Gehalt für die Zeit, in der jemand lernt statt arbeitet.

Drei Sonderregeln lohnen sich: In Betrieben mit weniger als 500 Beschäftigten sollen die Lehrgangskosten ganz übernommen werden, wenn die Person mindestens 45 Jahre alt oder schwerbehindert ist. Gibt es eine Betriebsvereinbarung oder einen Tarifvertrag zur Weiterbildung, sinkt dein Eigenanteil um fünf Prozentpunkte, und der Gehaltszuschuss kann um fünf Prozentpunkte steigen. Für Beschäftigte ohne Berufsabschluss ist bei einer abschlussorientierten Weiterbildung ein Gehaltszuschuss bis zur vollen Höhe möglich.
Für die Betriebsgröße zählen alle Beschäftigten des Unternehmens, bei einem Konzern die des Konzerns. Teilzeitkräfte werden anteilig gezählt. Alle Werte sind Höchstwerte. Ob und in welcher Höhe gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit.
Was ist das Qualifizierungsgeld?
Ein Lohnersatz für Beschäftigte in Betrieben, die sich durch den Strukturwandel stark verändern. Die Agentur für Arbeit zahlt 60 Prozent des wegfallenden Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent. Die Kosten der Weiterbildung trägt der Betrieb selbst.

Voraussetzung ist, dass ein größerer Teil der Belegschaft betroffen ist: mindestens 20 Prozent, in Betrieben mit weniger als 250 Beschäftigten mindestens 10 Prozent. Die Gründe und Perspektiven müssen in einer Betriebsvereinbarung oder einem Tarifvertrag geregelt sein. In Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten reicht eine schriftliche Erklärung des Arbeitgebers. Auch hier muss die Weiterbildung mehr als 120 Stunden dauern. Für dieselbe Maßnahme kannst du nicht beides beantragen, also entweder Zuschüsse nach § 82 oder Qualifizierungsgeld.
Wie gehe ich vor?
Sprich zuerst mit dem Arbeitgeber-Service deiner Agentur für Arbeit, bevor sich jemand verbindlich anmeldet. Die Förderung muss vor Beginn der Maßnahme beantragt werden.
- Bedarf klären: Welche Fähigkeiten fehlen in deinem Team in zwei bis drei Jahren?
- Weiterbildung auswählen: mehr als 120 Stunden, Träger und Kurs nach AZAV zugelassen.
- Beraten lassen: Der Arbeitgeber-Service ist unter 0800 4 5555 20 erreichbar (gebührenfrei).
- Antrag stellen: Für mehrere Beschäftigte mit ähnlichem Ziel kannst du als Arbeitgeber einen gemeinsamen Antrag stellen.
Weiterbildung bindet Menschen an deinen Betrieb, wenn sie zu einer Perspektive passt. Wie Einarbeitung und Beteiligung dabei helfen, liest du in Einarbeiten und beteiligen. Geht es weniger um einen Lehrgang als um bessere Abläufe im Team, passt das INQA-Coaching besser, das mit bis zu 80 Prozent gefördert wird. Ob gefördert wird, entscheidet die Förderstelle.
Fazit: Weiterbildung ist Fachkräftesicherung
Gerade kleine Betriebe bekommen hohe Zuschüsse, und viele wissen es nicht. Wer die eigenen Leute weiterbildet, gewinnt Fachkräfte, die den Betrieb schon kennen. Der Aufwand ist überschaubar, wenn du früh mit der Agentur für Arbeit sprichst.
Mehr Wege gegen den Fachkräftemangel findest du auf unserer Seite Fachkräfte finden & binden, einen Überblick über Förderprogramme beim Fördermittel-Lotsen. Und beim MeetingPoint, jeden Donnerstag von 17 bis 18 Uhr online, kannst du hören, wie andere Betriebe es machen.
Dieser Beitrag erschien zuerst im September 2024. Im Oktober 2026 hat der BDS SH ihn aktualisiert. Er ersetzt keine Beratung durch die Agentur für Arbeit.
Aktualität geprüft am 18.10.2026. Quellen: § 82 SGB III, § 82a SGB III, Fachliche Weisungen der Bundesagentur für Arbeit zur Weiterbildung (gültig ab 01.01.2026).



